Studium und Lehre

Das Studium der Vorderasiatischen Archäologie

Gegenstand:

Die Vorderasiatische Archäologie (VA) befasst sich auf der Grundlage des Studiums archäologischer Quellen mit der Erforschung der sozialen, wirtschaftlichen, kulturellen und historischen Verhältnisse in Alt-Westasien („Alter Orient“). Das Forschungsgebiet umfasst somit im Wesentlichen den heutigen Irak, Iran, Syrien, Türkei, ferner die Staaten der arabischen Halbinsel, die Levante sowie Zypern und den Südkaukasus. Lange konzentrierte sich das Interesse dabei auf Mesopotamien, die Kulturregion entlang des Unterlaufes der Ströme Euphrat und Tigris. Seit einigen Jahrzehnten rücken auch die Nachbargebiete dieser Region vermehrt in den Fokus des Faches.

In chronologischer Hinsicht behandelt das Fach den Zeitraum vom Neolithikum (ab ca. 10.000 v. Chr.) bis zum Ende der Perserzeit (ca. 330 v. Chr.), wobei abhängig vom Selbstverständnis einzelner Forscher/innen und Institute, durchaus auch jüngere Perioden in den Blick genommen werden (z. B. die Zeit der Parther- und Sasanidenreiche).

Archäologische Funde und Befunde bilden die Quellenbasis der VA. Bei Befunden handelt es sich in der Regel um unbewegliche Strukturen, die im Zuge von Ausgrabungen freigelegt bzw. im Gelände dokumentiert werden. Hierzu gehören z. B. Überreste von Gebäuden (Wohnhäuser, Tempel, Paläste etc.) und anderen Strukturen (z. B. Gräber, Terrassen, Einbauten wie z. B. Vorratsgruben oder Öfen etc.) sowie alle Arten von Ablagerungen, deren Entstehung auf menschliche Aktivitäten zurückzuführen sind (z. B. Schuttschichten, der Inhalt von Abfallgruben etc.).

Bei den Funden handelt es sich um die einzelnen beweglichen Objekte, die sich (bestenfalls) mit einem archäologischen Befund in Beziehung setzen lassen. Hierzu gehören. Keramikfunde, alle Arten von Werkzeugen und Waffen, Bildwerke sowie Siegel und Siegelungen (Glyptik). Bei der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit den Funden kommt der Dokumentation und Interpretation der Fundkontexte eine zentrale Bedeutung zu.

Mit Blick auf die historischen Zeiträume (ab dem späten 4. Jt. v. Chr.) ist die VA eng mit der Altorientalischen Philologie verbunden, die sich auf der Grundlage der überlieferten Schriftquellen (Tontafeln, Inschriften) mit den Sprachen und der Geschichte Alt-Westasiens befasst.

 

Methoden:

Die Daten mit denen sich Vorderasiatische Archäologen/innen befassen (Funde und Befunde), werden im Zuge von archäologischen Ausgrabungen, durch Geländeerkundungen (Surveys) oder durch Verfahren der Fernerkundung (z. B. Auswertung von Satellitenbildern, geophysikalische Messungen etc.) generiert. Auch die systematische Erschließung von Sammlungsbeständen (Museen) und die fragestellungsbezogene Auseinandersetzung mit bereits publizierten Daten bildet eine Grundlage wissenschaftlichen Arbeitens.

Im Zuge der Datenauswertung kommen in der VA – abhängig von der spezifischen Fragestellung–  unterschiedliche Methoden zum Einsatz: Diese reichen von der kunstgeschichtlich-ikonografischen Betrachtung bestimmter Objekte oder Objektgruppen über den Einsatz von Geoinformationssystemen bis hin zur Anwendung quantitativer Methoden. Wie in den anderen archäologischen Fächern, spielt auch in der VA der Einsatz naturwissenschaftlicher Methoden eine immer größer werdende Rolle; sei es im Zusammenhang mit der Alters- und Materialbestimmung von Funden oder bei der Rekonstruktion antiker technischer Verfahrensweisen. Zur Erklärung archäologisch beobachteter Phänomene, greifen Archäologen/innen häufig auf Konzepte und Modelle zurück, die (v. a.) im Kontext anderer Kultur- und Sozialwissenschaften entwickelt worden sind.

 

Forschungsthemen:

Zu den (vielfältigen) Themen mit denen sich Vorderasiatische Archäologen/innen befassen, gehören u. a.:

  • der Übergang von der aneignenden zur produzierenden und sesshaften Lebensweise (Neolithisierung)
  • die Entstehung komplex organisierter Gesellschaften, früher Städte (Urbanisierung) und Staaten
  • Siedlungsgeschichte (Entwicklung einzelner Siedlungen und ganzer Siedlungssysteme)
  • Entstehung und Gebrauch früher Informationstechnologien (z. B. Tokens, Siegel und frühe Schrift)
  • Wirtschaftsgeschichte
  • Kunstgeschichte Alt-Westasiens
  • Chronologie (Datierung, Lokalisieren von Aspekten der materiellen Kultur in der Zeit)
  • Bestattungsriten (Jenseitsvorstellungen, Gräber als Quelle für die Rekonstruktion sozialer Verhältnisse)
  • Die materielle Kultur antiker Reiche (z. B. Akkad, Reiche der Assyrer, Mittani, Elamiter, Babylonier, Urartäer)
  • Archäologische Bauforschung
  • Lebensverhältnisse und Alltagswelt (z. B. Geschlechterverhältnisse)
  • Landschaftsarchäologie (Entstehung und Veränderung von Kulturlandschaften)
  • Religiöse Vorstellungen und Ideologien
  • Archäologische Denkmalpflege

 

Studienaufbau:

Das Fach ist in zwei B.A.-Studiengängen, im B.A. „Archäologie“ und im B.A. „Ägyptologie/Altorientalistik“ vertreten. Der M.A. „Ägyptologie/Altorientalistik“ kann seit dem WS 2010 in Mainz studiert werden:

 

B.A. Archäologien

B.A. Ägyptologie/Altorientalistik

M.A.Ägyptologie/Altorientalistik.

Zur Ausbildung gehören die Teilnahme an Grabungen und Museumspraktika.

 

Abschlüsse:

Das Studium der Vorderasiatischen Archäologie wird mit einem Bachelor of Arts und darauf aufbauend mit dem Master of Arts abgeschlossen. Anschließend besteht die Möglichkeit einer

Link: Promotion (Dr. phil.)

Berufsfelder:

Vorderasiatischen Archäologen/innen bieten sich Berufsmöglichkeiten an Universitäten (Forschung und Lehre), Forschungseinrichtungen, Wissenschaftsmanagement und -koordination, an Museen sowie im Verlagswesen.

 

Bei weiteren Fragen bezüglich des Studiums der Vorderasiatischen Archäologie, wenden sie sich gerne an unsere Studienfachberatung:

Dr. Tobias B. H. Helms

Bei Fragen zur Lehrveranstaltungswahl und Prüfungsanmeldung, wenden sie sich an:

Dr. Silke Roth